Komsa aus Mannheim?
Geposted von Steffen am
25. Januar 2010
So Blog wurde erfolgreich wiederbelebt und auf Vordermann gebracht. So nun aber genug bla bla kommen wir gleich zu den beiden Themen die mich und wahrscheinlich einige andere auch letzte Woche beschäftigt haben:
1. Witzabmahnung von Komsa gegenüber 100partnerprogramme.de
Eigentlich gibt es dazu nicht mehr viel zu sagen, außer das diese Abmahnung echt irgendwo archiviert werden muss!
Eine Analyse/Zusammenfassung wie die Reaktionen auf die Abmahnung waren hat Karsten in diesem Post verfasst.
2. Auf das zweite Thema will ich nun ein wenig ausführlicher eingehen und zwar Mannheim will Twitter Account @mannheim einklagen.
Was ist passiert?
Der Geschäftsführer (Mark Zondler) von Mikogo, ein in Mannheim ansässiges Softwareunternehmen, hatte am 25. März 2007 den Twitter Account mit dem Nutzernamen @Mannheim registriert. Laut Aussage im englischen Blogbeitrag
Mark had plans to use this account as Mikogo was launched in 2007 and our company is based in Mannheim, Germany.
wurde der Account damals registriert, weil Mikogo 2007 gelauncht wurde und der Account in diesem Zusammenhang verwendet werden sollte. Der geneigte Leser mag sich jetzt fragen wieso man über sein Produkt Mikogo unter dem Namen Mannheim twittern sollte? Gute Frage nächste Frage!
Wenn man nun noch einen Blick darauf wirft, wann der Twitter Account Mikogo registriert wurde und zwar am 14. August 2008, dann wird einem schon relativ schnell deutlich, dass der Account Mannheim wohl kaum deswegen registriert wurde, um diesen für Mikogo zu verwenden!
Soweit so gut. Schauen wir uns mal den Account @Mannheim mal näher an. Der erste Tweet der über den Account @Mannheim abgeschickt wurde lautet
Stadt #Mannheim will mich wegen meinem Twitter Account verklagen… kann das sein? http://bit.ly/68UXA0
und wurde am 22.01.2010 veröffentlicht. Dies bedeutet, dass der Account seit der Registrierung nicht verwendet wurde. Wenn wir uns dazu jetzt die Twitter Rules anschauen, welche Teil des Terms of Service sind, dann fällt uns folgende Passage ins Auge:
Accounts that are inactive for more than 6 months may also be removed without further notice.
Dies lass ich jetzt mal kurz unkommentiert, komme aber gleich noch einmal darauf zurück.
So was hat aber nun die Stadt Mannheim mit der ganzen Sache am Hut? Am 13.01.2010 hat die Stadt Mannheim Mark Zondler eine Unterlassungsverpflichtungserklärung über deren Rechtsamt zu kommen lassen. Die Stadt schreibt darin von einer Identitätsverwirrung, unbefugtem Namensgebrauch und Namensschutz in Bezug auf die Nutzung des Accounts durch Mark Zondler. Meiner Meinung nach ist die Identitätsverwirrung etwas weit hergeholt, wie es mit dem Namensschutz/Namesgebrauch aussieht, kann ich an dieser Stelle nicht sagen, da ich kein Rechtsanwalt bin. Was die Stadt meiner Meinung nach bewirken will ist, dass der Acoount @Mannheim wieder freigegeben wird, so dass dieser von der Stadt genutzt werden kann.
An diesem Punkt möchte ich jetzt nochmals auf die Twitter Rules von eben zu sprechen kommen. Da der Account mehr als 6 Monate nicht genutzt wurde, hätte die Stadt bei Twitter anfragen können und der Account wäre ohne Info an die Stadt übergegangen. Dies ist mir selbst schon bei einem Twitter Account passiert den ich registriert aber nicht genutzt hatte. Ohne Vorwarnung wurde dieser an das entsprechende Unternehmen weitergegeben
.
Auf das offizielle Schreiben der Stadt hat man natürlich auf der Seite von Mikogo relativ verärgert reagiert, man hätte ja nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen müssen, sondern man hatte sich gewünscht, dass die Stadt mal freundlich bezüglich dem Account nachgefragt hätte. Ich kann natürlich verstehen, dass man sich dies gewünscht hätte, allerdings geht es hier um eine Behörde und die gehen in 99% der Fälle nunmal den offiziellen Weg. Das Finanzamt schreibt mir auch lieber Briefchen anstatt mich anzurufen…
Okay nun haben wir das ganze Vorspiel abgearbeitet kommen wir nun zum Hauptteil.
Da man das Einklagen des Twitter Accounts so nicht hinnehmen wollte, hat man tief in die Social Media Trickkiste gegriffen und dies mehr als erfolgreich.
Neben den Blogbeiträgen auf dem hauseigenen Blog, einem dediziertem Newsletter zum Thema, einer Pressemitteilung, Facebook Aktivitäten nutze man natürlich auch fleißig das Medium um welches es dreht und zwar Twitter.
Und wie sieht es jetzt nach 4 Tage aus:
- 288 Kommentare
- knapp 50 Blogbeiträge – Unter anderem auf Techcrunch
- Berichterstattung von der lokalen Presse – Mannheimer Morgen
- Unzählige Tweets
Jetzt noch ein paar Grafiken zu den Auswirkungen:
Gestiegenes Presseecho

Anzahl der Tweets die Mannheim enthalten

Wie man erkennt, konnte einiger Buzz erzeugt werden und zwar nicht nur für die Sache selbst, sondern vielmehr auch für das Produkt Mikogo. Ich gehe davon aus, dass durch die Aktion einige neue User generiert wurden und folgender Kommentar zum Techcrunchartikel beschreibt dies auch sehr gut:
Meanwhile Mark, I’d never heard of MIKOGO before but I guess I’ll have to go find out now.
Fazit
Im Endeffekt kann man froh sein, dass die Stadt Mannheim diesen rechtlichen Schritt gegangen ist und nicht einfach den Account übernommen hat. Der Account war bis dahin wertlos und wäre es durch den ausbleibenden Goldrush bei Twitter Accounts auch geblieben. Jetzt hat man allerdings einigen Buzz erzeugen können und konnte den Account dadurch werbewirksam für das Produkt Mikogo einsetzen. Man hat durch Glück sozusagen einen hervorragenden Link- und Buzzbait hingelegt!
Glückwunsch.
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One Response to “Komsa aus Mannheim?”
Ja, die Aktion war sehr werbewirksam. Interessant war, wie die vielen Unbeteiligten online reagierten.
By Matthias on Feb 1, 2010